Microsoft hat sich entschlossen, Skype, den größten Internet-Telefondienstleister, für eine Rekordsumme von 8,5 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Nun fragt man sich in der Branche: „Kann sich das lohnen?“

Skype ist in den letzten Jahren kräftig gewachsen. Die Telefonie über das Web, von Technikern als „Voice over IP“ oder kurz „VoIP“ bezeichnet, verzeichnete stürmische Zuwachsraten. Kein Wunder, ermöglicht diese Art des Telefonierens doch erhebliche Kosteneinsparungen, besonders bei internationalen Gesprächen. Skype ist einfach zu bedienen. Problemlos kann eine Webcam zugeschaltet werden; dann können die Gesprächsteilnehmer einander per Videotelefonie sogar sehen. Auch ganze Konferenzen mit mehreren Teilnehmern sind möglich. Praktisch ist, dass man einander per Skype auch Dateien übersenden kann. So kann das soeben besprochene Material gleich zum Empfänger weitergeleitet werden.

Anrufe von Skype zu Skype sind, abgesehen vom Internetzugang, kostenlos. Und die Tonqualität kann mittlerweile mit konventionellen Telefonaten meistens gut mithalten. Von Skype kann man auch Festanschlüsse anwählen. Dafür werden dann Gebühren fällig. Doch wird diese Option ausreichend genutzt, um damit genug Geld zu verdienen?

Aus Kreisen der Wirtschaft wurden wiederholt Spekulationen laut, dass nicht nur Microsoft, sondern auch Google und Facebook ein Auge auf Skype geworfen hätten. Ein Bieterwettstreit mit so großem Interesse von mehreren Seiten dürfte den Preis letztlich in die Höhe getrieben haben. Auch ein möglicher Börsengang von Skype, die Amerikaner nennen das IPO (Initial Public Offering), war im Gespräch. Dazu dürfte es jetzt nicht mehr kommen. Skype hat mehr als 100 Millionen aktive Nutzer mit mehr als 500 Millionen Accounts und befindet sich operativ bereits in den schwarzen Zahlen. Zwei Fakten, die dafür sprechen, dass der enorme Preis gerechtfertigt sein könnte.

Ursprünglich hatte 2005 das Internet-Auktionshaus eBay Skype mehrheitlich übernommen. Schon damals ein Milliarden-Deal. Doch die Konzepte harmonierten nicht hinreichend, so dass Skype schließlich wieder ausgegliedert wurde. Bei Microsoft ist Skype nach Aussage von Fachleuten besser aufgehoben. Der Konzern hat offenbar eine klare Strategie, um sich durch Akquisitionen und Partnerschaften eine breit aufgestellte Position im Telefoniesektor aufzubauen. Dazu gehören auch die Vereinbarungen, die mit Nokia und mit Research in Motion (Hersteller des BlackBerry) kürzlich geschlossen wurden.

Gemessen an der Höhe der Investition, ist Skype der bisher größte Zukauf in der Geschichte von Microsoft. Jetzt gilt es, etwas daraus zu machen: Man rechnet damit, dass für Windows Phone 7, das Smartphone-Betriebssystem von Windows, nun in Kürze eine Skype-App angeboten werden wird. Denkbar ist auch, dass in Windows PC-Betriebssysteme der nächsten Generation die Skype-Telefonie gleich mit integriert wird und nur noch aktiviert zu werden braucht.