Bezahlen, das ist im Internet eine sensible Sache. Schon Daten sollten nicht geklaut oder weitergegeben werden. Aber bei Geld will man wirklich völlig auf Nummer Sicher gehen. Deshalb haben virtuelle Zahlungssysteme es schwer, Akzeptanz zu finden.

Google hat jetzt, gemeinsam mit Citibank und Mastercard, ein System für das Handy vorgestellt, das das Bezahlen sogar unterwegs ermöglichen soll. „Google Wallet“, so heißt dieser neue Dienst. Der englische Begriff „wallet“ bedeutet so viel wie Brieftasche, Portemonnaie oder Dokumentenmappe, Karten zum bargeldlosen Zahlungsverkehr werden auch als „electronic wallet“ bezeichnet.

In den Vereinigten Staaten kann man in New York und San Francisco bereits per Google Wallet mit dem Smartphone bezahlen. Zum Beispiel bei Macy’s (Kaufhaus), Subways (Fastfood) und Wallgreens (Drogerieartikel). Die Liste der Kooperationspartner soll zügig ausgeweitet werden. Die Händler müssen für die Teilnahme keine Gebühren entrichten. Das Handy wird zur Zahlung ohne jede Berührung ganz einfach vor ein Terminal gehalten. Bislang klappt das Ganze nur mit einem Nexus S Handy, das mit einem NFC-Chip (Abkürzung für „Near Field Communication“) bestückt ist und das Mobilfunknetz des Anbieters „Sprint“ verwendet. Die Basis bildet das Betriebssystem Android. Später will Google das System auch für weitere Handys anbieten.Abgebucht werden die Beträge von einer Mastercard oder von einer Prepaid-Karte, die passend zum System erhältlich ist und immer wieder aufgeladen werden kann.

Google Wallet kann mit einer entsprechenden App auch Gutscheine erfassen und vom Rechnungsbetrag abziehen. Dazu wird ein Code vom Gutschein mit der Kamera des Handys eingescannt. Ebenso ist es möglich, Bonuspunkte oder „Meilen“ auf  Kundenkarten gutzuschreiben. Nahezu parallel geht „Google Offers“ an den Start, ein Info-Dienst für Sonderangebote und befristete Schnäppchen. Damit will man den in den letzten Monaten populär gewordenen Groupon-Rabattangeboten Paroli bieten.

Doch kaum ist Google Wallet gestartet, da gibt es auch schon Unruhe in der Branche. Ebay sieht sich seit langem als Platzhirsch der virtuellen Bezahl-Systeme und hat mit PayPal für sein Auktionsportal seit geraumer Zeit ein Zahlungssystem in Betrieb, das sich bereits recht hoher Akzeptanz erfreut, um sicher im Netz shoppen zu können. Auch hier arbeitet man längst an einer mobilen Variante. PayPal erklärt nun, dass Google sich bei seiner Neuentwicklung widerrechtlich der Hilfe ehemaliger PayPal-Mitarbeiter bedient habe. Nur durch Ideenklau und Geheimnisverrat sei es überhaupt möglich gewesen, das Wallet-System in seiner jetzigen Form zu kreieren. Nicht nur die Aneignung von Geschäftsgeheimnissen, auch deren Teilung mit Googles Geschäftspartnern wird angeprangert.

Es scheint, als ob die Rechtsanwälte auf diesem Feld noch eine Menge zu tun bekommen werden. Denn auch Mobilfunkbetreiber, Banken und weitere Handyhersteller werden in den nächsten Jahren versuchen, eigene mobile Bezahl-Systeme am Markt einzuführen.