Microsoft gibt Gas. Um die internationale Vormachtstellung von Google im Suchmaschinenbereich zu brechen, wird jetzt kräftig investiert. „Bing“, das Suchportal von Microsoft, soll aufgewertet werden. Mit „Streetside“ ist eine dem Google System „Streetview“ ähnliche Anwendung für „Bing Maps“ zur Betrachtung ganzer Straßenzüge in Arbeit. Kamerawagen durchqueren dafür bereits internationale Metropolen. Microsoft traut sich zu, dass sein Dienst noch präziser und benutzerfreundlicher sein wird, als alle bisherigen Verfahren. Bevor es in Deutschland losgeht, müssen aber die Hürden des Datenschutzes und die Einspruchsmöglichkeiten Betroffener abgeklärt werden.

Doch das ist längst noch nicht alles. Ein weiterer strategischer Schritt zur Stärkung von „Bing“ liegt in der Zusammenarbeit mit „Baidu“. Baidu hat im Reich der Mitte eine ähnliche Bedeutung erlangt, die man sie im Westen Google zumisst und gilt als Marktführer mit einem Anteil von schätzungsweise fünfundsiebzig bis achtzig Prozent. An der Börse vervierfachte sich der Wert des  Unternehmens in den letzten zwei Jahren. Baidu hat nun angekündigt, für englischsprachige Suchbegriffe in Zukunft grundsätzlich auf Bing zurückzugreifen. Damit gelingt Microsoft ein wichtiger Schritt in eine der größten und wichtigsten Regionen mit stark wachsenden Nutzerzahlen. Bereits heute werden täglich etwas zehn Millionen englischsprachige Suchläufe auf Baidu durchgeführt. Schon fast eine halbe Milliarde Chinesen nutzen das Internet.

Angesichts dieser bereits vorhandenen Volumina braucht es eine optimal aufeinander abgestimmte Infrastruktur, damit beide Dienste gut zusammenarbeiten. Nach Angaben des „Wall Street Journal“ und der „New York Times“ dauert es mindestens bis zum Jahresende, bis die technischen Voraussetzungen geschaffen und harmonisiert sind. Denn eins ist klar: Die Sache kann nur zum Erfolg werden, wenn der Suchvorgang blitzschnell erfolgt. Nichts hassen die User so sehr, wie Wartezeiten. Analysten rechnen damit, dass vor allem Baidu von dem Deal finanziell profitieren wird, da das für Suchmaschinen wichtige Werbegeschäft vorwiegend in deren Händen bleibt.

Möglich ist, dass Suchergebnisse, die von Baidu bei Bing aufgerufen werden, einen Filter durchlaufen müssen, um der chinesischen Zensur gerecht zu werden. So ist zu vermuten, dass zu Themen wie „Free Tibet“, auch in Zukunft keine Suchergebnisse auf chinesischen Bildschirmen erscheinen werden. Googles Marktstellung in China hatte wegen Auseinandersetzungen um die Zensur in den letzten Monaten starke Einbußen hinnehmen müssen und sank auf einen Anteil von rund 20 Prozent. Das Unternehmen hat, aufgrund der bereits mit den Behörden gemachten Erfahrungen, in Erwägung gezogen, sich aus China ganz zurückzuziehen. Durch eine Verlagerung nach Hongkong sucht man Auflagen zu umgehen, denn dort herrscht keine Zensur.

Die Frage, wie wichtig die Präsenz auf allen globalen Märkten sei, auch wenn man dafür Menschenrechtsverletzungen in Kauf nehmen müsse, ist in der Branche hart umstritten. Auch bei Facebook diskutiert man intensiv die Frage, ob eine Anbindung chinesischer Nutzer unter den Voraussetzungen der dortigen Aufsichtsbehörden vertretbar ist.