Medion ist den Deutschen vor allem durch Aldi ein Begriff geworden. Jahrelang wurden die Geräte mit dem Image des Discounters assoziiert, weil sie vorwiegend in Aldi-Filialen angeboten wurden. Der typische Medion PC wurde meist einige Tage vor Verkaufsstart angekündigt und war stets etwas günstiger, als vergleichbare Modelle zu haben. Bei besonders attraktiven Angeboten bildeten sich vor Aldi-Filialen schon in den frühen Morgenstunden lange Schlangen Kaufwilliger, um sicherzustellen, dass man auch ja einen ergatterte. Oft waren die Geräte nämlich schon nach wenigen Stunden ausverkauft. Da man bei Aldi nicht mit persönlicher Beratung, geschweige denn mit fachlicher Unterstützung bei Installation und Inbetriebnahme rechnen kann, waren es anfangs überwiegend erfahrene und versierte PC-Nutzer oder ganz einfach Mutige, die sich an einen Medion herantrauten.

Mit der Zeit weitete sich das Sortiment bei Medion aus. Hinzu kamen Netbooks, TV-Empfänger, SAT-Receiver, Audio-Unterhaltungselektronik, Digitalkameras, GPS-Navigationsgeräte und vieles mehr. Sogar eigene Games brachte man auf den Markt. Medion ist inzwischen auch im Mobilfunkmarkt aktiv und erweitert sein Angebot kontinuierlich. Medion PC’s und Notebooks haben sich, dank zufriedener User, einen guten Ruf als robuste und zuverlässige Geräte erworben. Wer einmal Auktionen bei Ebay verfolgt, stellt fest, dass auch Gebrauchtgeräte noch gute Preise erzielen. Auch im Fachhandel wird die Marke mittlerweile respektvoll ernst genommen und hat das Billigimage abgestreift.

Viele gute Indikatoren also, die für die positive Entwicklung der Marke sprechen und auch an der Börse ihren Niederschlag gefunden haben. Die Medion AG Inhaber-Aktie zeigte seit 2009 einen kontinuierlichen Aufwärtstrend und konnte im Januar in der Spitze sogar kurz die 15 Euro Marke testen. Im Zuge der Fukushima-Krise musste sie, mit dem Gesamtmarkt, Einbußen verzeichnen. Die Aktie wird am geregelten Markt gehandelt und befindet sich zu rund 15 Prozent in Streubesitz. Insgesamt ein gesundes Unternehmen, das bereits eine vernünftige Dividendenrendite erwirtschaftet.

Das ist nun auch international auf Anerkennung gestoßen und weckt Begehrlichkeiten. Der chinesische Hersteller Lenovo, bekannt als Produzent des ThinkPad, möchte gerne die Mehrheit an Medion übernehmen. Mindestens 51 Prozent, gegebenenfalls auch deutlich mehr Anteile, möchte man erwerben. Lenovo hat den Aktionären dafür einen Preis von 13 Euro pro Aktie angeboten. Der Medion-Kurs machte daraufhin einen entsprechenden Sprung nach oben. Ein Großteil der Aktien soll aus dem Besitz des Gründers und Vorstandschefs Gerd Brachmann kommen. Lenovo zahlt den überwiegenden Teil in bar, einen Teil in Lenovo-Aktien. Noch fehlt dem Deal die Zustimmung der zuständigen Finanzaufsichtsbehörden.

Die beiden Marken sollen zunächst weiterhin unabhängig voneinander am Markt auftreten. Lenovo, das traditionell noch immer eng mit der ehemaligen Notebooksparte von IBM assoziiert wird, möchte mit dem Kauf seinen Marktanteil in Westeuropa deutlich ausbauen. Damit könnte Lenovo hinter Hewlett Packard und Acer zum drittgrößten Anbieter auf dem deutschen PC-Markt werden. Dabei setzt man auf „Scalability“, also darauf, dass mit steigenden Stückzahlen in Herstellung und Vertrieb zunehmend effektiver gewirtschaftet werden kann.