Ein Doppelpunkt, ein Bindestrich und eine schließende Klammer – diese einfache Folge von Satzzeichen hat eine ganz besondere Bedeutung. Zur Seite gedreht, ergibt sie nämlich ein lächelndes Gesicht, ein so genanntes Smiley. Damit ist sie der Urtyp der Emoticons, mit denen wir heutzutage unsere schriftlichen Konversationen visuell garnieren. Immer wieder werden neue Emoticons eingeführt, erst vor wenigen Wochen wurden 157 neue Emoticons für die Verwendung auf iOS- und Android-Geräten angekündigt. Doch auch wenn die Verwendung von Emoticons sehr modern erscheint, so sind die Bildchen doch mehr als 35 Jahre alt.

Die Erfindung der Emoticons

Dass zwei Punkte und zwei Striche ein Gesicht ergeben, ist in der Geschichte der Menschheit schon vielen aufgefallen. Als Erfinder von 🙂 gilt der US-amerikanische Informatikprofessor Scott Fahlman. Der arbeitete seit 1978 an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. In einem Diskussionsforum der Universität schlug er am 19. September 1982 vor, die Zeichenkombination 🙂 als Marker für lustige Bemerkungen zu verwenden. Zugleich machte er den Vorschlag, 🙁 als Symbol für Informationen zu nutzen, die nicht lustig sind. Die Nachricht, in der Fahlman die beiden Zeichenfolgen vorschlug, galt lange als verschollen, wurde aber im Jahr 2002 in einem Backup des Forums gefunden. So konnte bewiesen werden, dass es der Informatiker war, der die ersten beiden Emoticons der Computergeschichte verwendet hat. Bereits 1998 war es der Japaner Shigetaka Kurita, der 176 Emoticons in Form von simplen Bildern entwarf. Der Mitarbeiter des japanischen Mobilfunkanbieters DoCoMo wollte dadurch ermöglichen, dass die kleinen Bilder auch auf Mobiltelefonen verwendet werden konnten. Weil es die Technik zu dieser Zeit nicht anders zuließ, gestaltete er seine Emoticons auf dem winzigen Format von zwölf mal zwölf Pixeln. Damit legte er den Grundstein für den weltweiten Erfolg der Bildchen, die fortan auf jedem mobilen Telefon zu finden waren. Mit fortschreitender Technik wurde die Optik der Emoticons immer weiter verbessert, inzwischen sind sie dreidimensional und bewegen sich. Kürzlich hat Apple sogar auf seiner Konferenz WWDC die MeMojis präsentiert – Emoticons, die man nach seinem eigenen Gesicht gestalten kann.

Warum Emoticons so beliebt sind

Weil es inzwischen zahllose Emoticons gibt, können sie nahezu in jeder schriftlichen Konversation sinnvoll eingesetzt werden. Ganz gleich, ob man Freude, Traurigkeit, Spannung oder Enttäuschung zum Ausdruck bringen will – ganz sicher gibt es für jede Emotion das richtige Bildchen. Das haben sie der geschriebenen Sprache voraus: Sie machen auf einen Blick klar, wie es einem geht. Aus geschriebenen Worten ist es zuweilen schwer, die Gefühle einer anderen Person herauszulesen. Emoticons machen es in solchen Fällen leichter, seine Stimmung zu zeigen. Außerdem kann man es sich ersparen, viele Wörter zu tippen, wenn man einfach Bilder benutzt. Im Jahr 2014 hat der chinesische Künstler Xu Bing sogar ein ganzes Buch auf den Markt gebracht, das ausschließlich aus Emoticons besteht. Das zeigt einen weiteren Grund, warum die Bilder so beliebt sind: Sie sind international verständlich und durchbrechen die Sprachbarriere. Denn Xu Bings Buch kann man auch verstehen, wenn man kein Chinesisch lesen kann.

Die beliebtesten Emoticons in verschiedenen Ländern

Bei den vielen Emoticons, die es inzwischen gibt, hat jeder Mensch seine eigenen Favoriten. Das britische Unternehmen Swift Key hat sich zwischen 2014 und 2015 einmal angeschaut, welche Emoticons in welchen Ländern besonders beliebt sind. Dafür hat die Firma vier Monate lang ihre eigene Software ausgewertet, die die Verwendung der Bilder auf Smartphones vereinfacht. Eines der vielen interessanten Ergebnisse der Auswertung war, dass das Smiley in fast allen untersuchten Ländern das beliebteste Emoticon ist. Lediglich in Frankreich nimmt das Herz die Spitzenposition ein, wobei es rund vier Mal häufiger verwendet wird als in anderen Ländern. Eine weitere Analyse zeigt, dass in keinem anderen Land so oft das Symbol mit dem Mäusegesicht genutzt wird wie in Deutschland. Italiener dagegen verschicken sehr gerne Bananen-Emoticons, Russen Kussmünder und Spanier Luftballons sowie Luftküsse verteilende Smileys. Im Vergleich zu den anderen Ländern senden Deutsche sehr selten Emoticons, die Gewalt suggerieren, Fast Food zeigen oder weibliche Stereotype wie Lippenstifte symbolisieren.